Leibniz Universität Hannover Public History neue Kurse 2020
In eigener Sache

„Alternative Realitäten?“ – Kurs zu AR und VR im Sommersemester, Hannover

Das Sommersemester wirft seine Schatten voraus. Deshalb werfe ich nun ein Spotlight auf das zweite von drei geplanten Seminarthemen: Alternative Realitäten? – Virtual und Augmented Reality im Einsatz für Museen und Gedenkstätten

In der Kursplanung liegen die Themen für meine drei Seminare am Historischen Seminar an der Leibniz Universität Hannover bereits länger fest. Grundsätzlich beziehe ich externe Partnerinnen und Parnter mit ihrem Sachverstand aus konkreten beruflichen Feldern ein. Diese inhaltlich und didaktisch so wichtigen Partnerschaften sind jetzt festgezurrt, finanziert und terminlich gesichert. Drei Projektseminare kann ich daher nun endlich für das kommende Semester ankündigen. Sie behandeln Youtube und Streaming, Brettspiele und Kartenspiele sowie Virtuelle und Augmented Reality.

Technisch machen Augmented Reality (AR) und Virtuelle Realität (VR) zurzeit riesige Sprünge, hinzu kommen viele Mischformen. Auch für Museen und Gedenkstätten bieten sich hier faszinierende Möglichkeiten, nicht nur weil der analoge Raum knapp ist, sondern weil hier innovative Konzepte für Ausstellungen schlummern. Allerdings wirken viele Anwendungen aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive methodisch nicht zuende gedacht.

Als Partnerin für diesen Kurs konnte ich Stephanie Billib von der Gedenkstätte Bergen-Belsen begeistern. Die NS-Gedenkstätte verfügt über eine Tablet-gestützte AR-Lösung, mit der Besucherinnen und Besucher auf dem komplett zerstörten Lagergelände eine Ahnung von den Dimensionen und der Lage von Gebäuden entwickeln können. Zudem verortet die Software Relikte und Artefakte von Gefangenen auf dem Gelände.

Wir werden daher in diesem Kurs zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gedenkstätte über zukünftige Entwicklungslinien für die dortige Lösung brüten. Das ist sehr passend, denn jüngst erhielt die Gedenkstätte auf dem Gelände der ehemaligen Wehrmachtskaserne, die nun der NATO als Truppenstützpunkt dient, einen eigenen Experimentierraum der Zukunft. Besser könnte es sich kaum treffen, einen ausgiebigen Besuch dorthin zu unternehmen, weshalb die Exkursion dorthin verpflichtender Bestandteil des Seminars wird. (Sofern die gegenwärtige CoVID-19-Krise nicht ein anderes Vorgehen erfordert.)

Starke Impulse setzen vor allem digitale Spiele bei der VR-Technologie, weil sich nun mehrere technisch überzeugende Hardware-Brillen am Markt halten und gegeneinander um Features konkurrieren. Im geplanten Seminar werden sich die Studierenden nicht nur in verschiedene Hardware-Ansätze einarbeiten und einige ausprobieren. Vielmehr werden sie die Folgen der Technologie für die Verbindung von Nutzerinnen und Nutzer zum betrachteten Gedenkort abschätzen lernen. Sie werden dabei diverse Formen der Verkörperung im Virtuellen Raum einbeziehen und die Rolle von spielerischem Handeln in diesen Welten ergründen.

Ihr Ziel wird es sein, auf Basis dieser Erkenntnisse und aktueller Forschungsliteratur eine Hausarbeit zu verfassen. Sie entwickeln dabei ein Konzept, mit dem sich VR oder AR geschichtswissenschaftlich adäquat an einem Gedenkort realisieren lassen. Aufgrund der Schwierigkeit dieser Forschungsfrage zwischen Fragen der Wahrnehmung und Realitätsbegriffen richtet sich dieser Kurs in erster Linie an Studierende auf dem Master-Niveau.

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