„Im Felde geblieben?!“ Verspielte preußische Landesgeschichte – Vortrag, HiKo Berlin
Zu ihrer Jahrestagung 2025 rief die Historische Kommission Berlin (HiKo Berlin) Kolleg:innen für eine Konferenz zu digitalen und analogen Spielen in den Südwesten Berlins. Sie stand unter dem doppeldeutig mahnenden Claim „Verspielt? Games und Landesgeschichte – ein Desiderat“. Mit meinem Vortrag „Im Felde geblieben?“ gab ich einen Überblick zu „Themen, Methodik und Infrastruktur zur Etablierung eines landesgeschichtlichen Forschungsfeldes an digitalen Spielen“. Eine schwierige Aufgabe bekam ich noch hinzu: Ich sollte die Fäden der Konferenz aufnehmen, Desiderate bündeln und Empfehlungen mit einem Ausblick verknüpfen. Im Ergebnis strukturierte ich so einige Handlungsempfehlungen.
Die Veranstaltung bildet einen ersten Aufschlag für die Historische Kommission, um den Wert spielerischer Geschichtsinszenierungen als Gegenstand der Landesgeschichte selbst einordnen zu können – spezifisch mit einem Bezug auf Berlin und Preußen. Die HiKo Berlin möchte dieses Feld für die Landesgeschichtsforschung öffnen sowie das Instrumentarium der Game Studies verstehen. Sie zielt darauf, Themen und Spiele kennenzulernen und mit dem Instrumentarium der historischen Spieleforschung einzuordnen. Zudem stellte sie den Praxisbezug durch Begegnungen zwischen Akteur:innen der Spieleentwicklung und der Geschichtswissenschaft auf der Tagung her.
Mein Vortrag blickte kritisch auf den Stand einer Disziplingründung zu Geschichte und Games. Was nötig ist, um historisch arbeitende Game Studies zu etablieren und wie sich Landesgeschichte damit nachhaltige verknüpfen lässt, zeigte ich Schritt für Schritt entlang meiner Forschungen und Tätigkeiten.

Der Einstieg über die Grundlagenarbeit meiner Forschungen in meiner Dissertation war deshalb essentiell, um überhaupt die Breite von Perspektiven auf Geschichte zu erläutern. Ich verknüpfte sie mit dem Geschichtssorten-Modell (Logge) aus der Public History. Mithilfe des dynamischen Wissenssystems zeigte ich auf, was alles beforschbare Aspekte digitaler Spielmechaniken und Inhalte sein können, und genau so wichtig: Was davon erkennen Spielende erinnerungskulturell als historisch relevante Themen.
Bei meinem Beispiel Civilization VII und dessen Darstellung von Preußen bildeten sich unerwartete Rückbezüge auf vorherige Vortragende. Ich nun wendete das vorgestellte Instrumentarium auf das Spiel an und erläuterte die Aspekte anhand von gezielten Screenshots. Damit aber befasste ich mich zunächst nur mit den Spielen und ihren Inhalten – wie meine Vorredner:innen.
Mein Vortrag aber stellte im Anschluss daran vor, welche Bemühungen bei der Infrastruktur wir in Hamburg und Hannover unternahmen, um adäquate Geräte und Spielesammlungen für Forschung und Lehre bereit zu stellen. Ich warb für die wichtige bewahrende Rolle gerade von Universitäts- und Landesbibliotheken, um digitale Spiele ordnungsgemäß zu erfassen, mit Findmitteln suchbar zu machen und als Bestand überhaupt bekannt zu halten.
Schließlich führte dieser Exkurs auf das Aufgabenspektrum, das ich bei der Public History sehe: von der akademischen Ausbildung, über Lehrenden(aus)bildung, die Aufklärung der Branche selbst und der historisch-politischen Bildung in der breiten Gesellschaft. Anhand von Videoformaten zeigte ich das breite Spektrum von Geschichtsakteuren zu digitalen Spielen allein auf Youtube.

Aus dem Vortrag entwickelte ich vier Desiderate: Aufgaben liegen in den Feldern des Instrumentariums und der Geschichtssorten, bei Blickwinkeln und Themen, methodischen Mehrwerten durch digitale Spiele und in der Verstetigung von Intrastruktur, Netzwerken und Personal. Als Auftakt verstanden, freue ich mich auf die zukünftigen Planungen bei der Historischen Kommission Berlin und trage gern erneut dazu bei.
(Es entsteht noch ein Video durch die HiKo Berlin. Die Tagung wurde aufgezeichnet. Gegenwärtig ist noch nicht bekannt, wann es erscheinen wird.)
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