Unser histocamp ist wieder da! – Open History, Bonn
Als Begegnungsort für alle, die sich mit Geschichte befassen, kehrte unser histocamp am 13./14. März 2026 an seinen Ursprungsort von vor zehn Jahren zurück: nach Bonn. Vielfältige Teilnehmende aus Wissenschaft und Schule, Zivilgesellschaft und Institutionen, Medien und Wirtschaft führten auf dem Barcamp ihre Welten zusammen. Sie stellten innovative Projekte, Ideen und Themen vor und für die verfügbaren Session-Slots zur Abstimmung. Gastgeber war die Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn. Sie steuerte ihre Räume, die Verpflegung und ein gefragtes Rahmenprogramm bei.

Geplant und betreut wird das histocamp durch unseren Verein Open History e.V. Wir setzen uns für eine historisch informierte, pluralistische und demokratische Gesellschaft ein. Hinzu kommen vor Ort auf der Veranstaltung helfende Personen, zusätzlich unterstützt durch Hände unserer Kooperationspartner. Der Verein dient als Kristallisationspunkt für die gemeinsamen Interessen, so zum Beispiel Projekte wie Geschichtscheck oder Veranstaltungen der Reihe HistoJob. Er ist also nicht als alleiniger Organisator zu missverstehen, sondern dient im besten Fall als Katalysator und struktureller Rahmen. Kurz: Wer das histocamp mitgestalten will, muss bei Open History nicht notwendig Mitglied sein. (Allerdings: Es schadet auch nicht!)

Seit zehn Jahren führt das histocamp Menschen zusammen, die mit Geschichte in ihren Professionen arbeiten. Den Geist eines solchen Barcamps prägt, dass alle Teilnehmenden möglichst hierarchiefrei und respektvoll miteinander kollaborieren. Das beginnt schon bei der Tagesplanung, die sich auch dieses Mal gleich an die Begrüßung anschloss. Teilnehmende bilden geduldig eine Schlange und tragen knapp ihr Interesse vor. Ebenfalls Interessierte geben sich per Handzeichen zu erkennen. Themen werden so nicht durch vermeintlich professorale Reputation platziert, sondern durch ein echtes Interesse aller Anwesenden. Entsprechend der Menge an Meldungen fügen sich die vorgestellten Themenangebote nach und nach in die passenden Raumgrößen der verfügbaren Slots hinein.
Erstmals nicht nur als Helfender, sondern voll in Planung, Organisation und Durchführung involviert, war die Zeit für mich natürlich knapp. Interessante Sessions kamen mehr als genug zustande, als dass ich sie alle selbst aufsuchen konnte: Frauengeschichte, SPD-Grundsatzprogramm, Sinn und Unsinn von Politischer Bildung, die Geschichte des Iran, Familie und Wissenschaft, Austausch für Freiberufler… an allen Ecken und Enden strotze das Barcamp vor spannenden Themen. Nur war für uns als Orga-Team natürlich überall etwas zu regeln. Da allerdings jeweils in allen Session-Räumen zumindest eine Person aus unserem Orga-Team anwesend sein sollte, ließ sich gelegentlich auch ein persönlich interessantes Thema einrichten. In einem Slot konnte ich sogar meine eigene Projektidee über „Kollaborative Produktionsprozesse bei Geschichte in digitalen Spielen“ am Abend noch einer interessierten Runde zur Debatte stellen.

Neben den vielen Unterstützern und Förderern, die die Webseite des histocamp unter Verlagen, Stiftungen und Unternehmen ausweist, boten unsere Kooperationspartner auch ein begleitendes Tagesprogramm. Führungen durch das Archiv der sozialen Demokratie stellten wichtige Dokumente und Objekte der sozialdemokratischen Tradition vor. Das Haus der Geschichte Bonn präsentierte den Teilnehmenden die gerade neu interpretierte Dauerausstellung zur deutschen Geschichte. Diese Angebote kamen gut bei den Teilnehmenden an.
Um am Abend noch die Erfahrungen und Themen zusammenzuführen, folgte auf das abendliche gemeinsame Essen unsere Abendveranstaltung. Für die sogenannte NOdiumsdiskussion hatten wir über den Tag am Empfang eine Box aufgestellt. Jede teilnehmende Person konnte darin ein Thema, das sie beschäftigt, und ihren Namen einwerfen. Abends loste ich dann drei Personen aus der Box.

Ziel war es, ein Podium zusammenzustellen, das nicht von den Lautesten, Reputiertesten oder Bekanntesten besetzt würde, sondern eben von zufälligen Themen und neuen Gesichtern bestimmt würde. Da die Idee zu dem NOdium auf mich zurückging, übernahm ich auch die Aufgabe zu losen, aus den losen Themen mit vorbereiteten Fragen einen runden Abend zu moderieren. Leider stieß selbst der Zufall hier an Grenzen, weil er drei männliche Personen aus dem Hut zauberte. Spontan sprangen zwei weibliche Teilnehmende als Mitdiskutierende hinzu und das Mobiliar wurde erweitert.

Inhaltlich aber konnten wir aus den ausgelosten Themen Vergesellschaftung von Daten, Kontrafaktische Geschichte und Künstliche Intelligenz in der Geschichtswissenschaft eine recht informative Dreiviertelstunde machen – inklusive berechtigter Interventionen zu Machtfragen und Arbeitstechniken. In der Form allerdings wünschten sich einige Teilnehmende danach, wir wären von einem Podium zu einer anderen Form weggegangen oder hätten es gleich mit Expert:innen besetzt. Beides jedoch widersprach dem angedachten Ziel, genau das Podium zu verkehren. Für das nächste histocamp werden wir das Format sicher überdenken. Eine Umfrage an die Teilnehmenden zur Evaluierung steht ohnehin noch aus.
Immerhin – so konnte man am nächsten Morgen erkennen – beflügelten die aufgekommenen Themen der abendlichen Diskussion lebhaft die Planungsrunde am Tag 2. Kontrovers zeigte sich vor allem das Thema Künstliche Intelligenz, und was sie für Professionen wie Paläografie oder Illustration bedeutet. Entscheidend für jede Nutzbarkeit stellten sich diverse Machtfragen, wer überhaupt eine wissenschaftlich geeignete KI sicherstellen könnte. Daneben gab es Angebote zu Sütterlin-Schrift, Antragstellungen bei der Partnerstiftung EVZ, zur Zukunft von Social Media, Düften in der Geschichte, Table Top für die Vermittlungsarbeit und – mir natürlich besonders sympatisch: das histocamp als digitales Spielkonzept.

Mit dem sogenannten „histobingo“ schloss der zweite Tag in einer amüsanten Runde. Für diese traditionelle Aktion mit einem Bingo aus historischen Stichpunkten, traten mit Jan Kleinmanns und Charlotte Jahnz zwei Urgesteine des histocamp auf die Bühne. Ziel ist es, mit gezogenen Stichpunkten, eine absurde Geschichte fortzusetzen. Alle Teilnehmenden, die nach und nach schließlich ein klassisches Bingo erzielten, freuten sich über eine Vielzahl von Gewinnen freuen. Genügend für alle waren gestiftet worden.
Für den Ausblick blieb nach einer knappen Feedback-Runde die Abmoderation – und ein Dank an alle Teilnehmenden, die Kooperationspartner und vor allem das Engagement der Helfenden und des Teams. Auch ließ sich bereits vernehmen: Nachdem sich die Rückkehr 2026 als solcher Erfolg herausstellt, wird es sicherlich ein nächstes histocamp geben.
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