{"id":178,"date":"2009-02-23T10:13:32","date_gmt":"2009-02-23T09:13:32","guid":{"rendered":"https:\/\/niconolden.de\/person\/?p=178"},"modified":"2019-02-19T10:23:03","modified_gmt":"2019-02-19T09:23:03","slug":"magisterarbeit-der-chinesisch-sowjetische-konflikt-und-seine-bedeutung-fuer-die-entwicklung-der-deutschen-ostpolitik-am-ende-der-sechziger-jahre-in-der-rezeption-westdeutscher-printmedien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/niconolden.de\/person\/2009\/02\/23\/magisterarbeit-der-chinesisch-sowjetische-konflikt-und-seine-bedeutung-fuer-die-entwicklung-der-deutschen-ostpolitik-am-ende-der-sechziger-jahre-in-der-rezeption-westdeutscher-printmedien\/","title":{"rendered":"Magisterarbeit: Der chinesisch-sowjetische Konflikt und seine Bedeutung f\u00fcr die Entwicklung der Deutschen Ostpolitik am Ende der Sechziger Jahre in der Rezeption westdeutscher Printmedien"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gefechte am Ussuri<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Als im Fr\u00fchjahr des Jahres 1969 im Fernen Osten der Sowjetunion Sch\u00fcsse fielen, hielt die Welt den Atem an. Mit den Gefechten erreichten die bereits seit l\u00e4ngerer Zeit bestehenden Spannungen mit dem kommunistischen  China eine bis dahin ungeahnte Sch\u00e4rfe. Am fern\u00f6stlichen Fluss Ussuri, wo die Gefechte im M\u00e4rz 1969 zum ersten Mal offziell bekannt wurden, bekriegten sich nicht irgendwelche kommunistischen M\u00e4chte, es handelte sich um die beiden bev\u00f6lkerungsreichsten L\u00e4nder und beide besa\u00dfen ein zwar asymmetrisch verteiltes, aber doch erhebliches atomares Zerst\u00f6rungspotential.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Gro\u00dfm\u00e4chte lieferten sich nicht das Jahr hindurch am Fluss Ussuri und an der kasachischen Grenze einen Streit nur um minimale Gebietsanspr\u00fcche, die auf den ersten Blick nichtig erscheinen mussten. Zwischen den Gro\u00dfm\u00e4chten ging es zwar vordergr\u00fcndig um die Zugeh\u00f6rigkeit des kleine Eilands Damanskij bzw. chinesisch Tschen Pao, das inmitten des Flusses Ussuri lag. Hier mischte sich eine Auseinandersetzung um historische Grenzen aus russischem Kolonialerbe mit einem intrakommunistischen Streit um die ideologische Deutungshoheit innerhalb      der kommunistischen Bewegung, die sowohl Moskau wie auch Peking f\u00fcr sich beanspruchten. Seit dem Tode Stalins schwelte der ideologische Streit und hatte sich seit den fr\u00fchen Sechziger kontinuierlich versch\u00e4rft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mao und die kommunistische Ideologie<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>China akzeptierte nach dem Ableben von Josef Stalin 1953 nicht mehr die von der Sowjetunion vorausgesetzte Weltf\u00fchrerschaft von Moskau in der kommunistischen Bewegung. Die chinesischen Kommunisten forderten vielmehr eine gleichberechtigte Beteiligung an allen Entscheidungen. Mit in sich schl\u00fcssiger ideologischer Loyalit\u00e4t zum Marxismus-Leninismus bewerteten sie vor allem die Ann\u00e4herungen zwischen der Sowjetunion und den westlichen      M\u00e4chten als Verrat an der kommunistischen Sache &#8211; als Revisionismus und Abkehr von der kommunistischen Revolution.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade die Breschnew-Doktrin war den chinesischen \u00dcberlegungen ein Schlag ins Gesicht, behauptete sie doch eine nur begrenzte Souver\u00e4nit\u00e4t sozialistischer Staaten, die sich dem von Moskau verordneten Gesamtinteresse der kommunistischen Bewegung unterzuordnen h\u00e4tte.        <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Durch die &#8222;beschr\u00e4nkte Souver\u00e4nit\u00e4t&#8220; erreicht der ideologische Streit die Grenzen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Entwickelt zur Legitimation der Invasion von Warschauer Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei 1968, um die dortigen Reformbem\u00fchungen zu zerschlagen, zeugte die Doktrin nach chinesischer Auslegung von einem R\u00fcckfall der Sowjetunion in ein imperialistisch-kolonialistisches, und damit pr\u00e4-revolution\u00e4res Stadium. Damit sei die sowjetische Anf\u00fchrerschaft endg\u00fcltig verwirkt und der sowjetische Staat sogar als Feind zu betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>China fokussierte sich allerdings auf die F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten &#8211; das sowjetische Volk betrachtete man weiterhin als Brudervolk. Da die Sowjetunion sich in chinesischer Lesart jedoch als Staat zu einem      Imperialisten verwandelte, war Peking sp\u00e4testens ab 1956 auch nicht mehr bereit, die seit 1860 bestehende  Frage des Grenzverlaufes im Fernen Osten weiter ruhen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sch\u00e4rfe der chinesischen Angriffe richtete sich seit der Kulturrevolution von 1966 zus\u00e4tzlich nach innenpolitischen Hintergr\u00fcnden. So folgte beispielsweise auf die Gefechte 1969 \u00fcberraschend der chinesische      Parteitag, in dem die Milit\u00e4rs erheblich st\u00e4rkte. Ein Zusammenhang ist naheliegend.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Medien als Waffen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Dieser Konflikt wurde nicht nur mit Waffen ausgetragen. Die Sowjetunion unterrichtete von sich aus die Medien durch Presseerkl\u00e4rungen und die Regierungen der westlichen Staaten durch Botschafterbesuche \u00fcber die Entwicklungen. Der Westen reagierte mit einer Mischung aus Erstaunen, Vorsicht und Misstrauen auf diese neue Offenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn die Invasion der Sowjetunion in die Tschechoslowakei hatte im August 1968 die internationalen Bem\u00fchungen der Entspannung seit 1963 j\u00e4h beendet. Sie hatte allen Beteiligten im Westen vermittelt, dass die      Sowjetunion noch immer bereit war, Waffen zur Unterdr\u00fcckung des Ostblocks einzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Wirkung auf die Bundesrepublik<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Nach der Niederschlagung setzte in der Gro\u00dfen Koalition in Bonn eine intensive Diskussion ein, ob die Neue Ostpolitik der Bundesrepublik seit 1966 nun gescheitert war oder ob es noch Perspektiven gab. Dieser Streit      l\u00e4hmte die Koalition, da die CDU \u00fcberwiegend von einem Scheitern ausging, die SPD hingegen ihren Kurs der Entspannung fortsetzen wollte. Die einzige Opposition, die FDP, durchlief eine erneuernde Entwicklung in der Ost- und Deutschlandpolitik, w\u00e4hrend der sie einen Generalvertrag mit der DDR und eine Fortf\u00fchrung verst\u00e4ndigender Au\u00dfenpolitik forderte.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit erh\u00f6hte sie in neben anderen auch in diesen Bereichen den Druck sowohl auf die CDU als auch die SPD. Schlie\u00dflich standen im September des Jahres 1969 Bundestagswahlen bevor, so dass sich in dieser Lage aus der      Deutschlandpolitik ein entscheidendes Wahlkampfthema entwickelte. Die FDP formulierte pr\u00e4gend: &#8222;Weg mit den alten Z\u00f6pfen&#8220; und meinte damit vor allem den westdeutschen Alleinvertretungsanspruch f\u00fcr alle Deutschen und die damit einhergehende Hallstein-Doktrin.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Neue Freundschaften<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Mitten in die bundesdeutschen Auseinandersetzungen des Vorwahlkampfes drang die Nachricht von den kriegs\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden zwischen der UdSSR und Rotchina, die beide Parteien in der weltweiten \u00d6ffentlichkeit      zu Propaganda nutzten. Viele Kommentatoren r\u00e4tselten besonders um die Frage, was  die Sowjetunion bewog, die Differenzen einem breiten und westlichen \u00d6ffentlichkeit sowie in diplomatischen Kreisen offen zu legen. Die Verwirrung wurde umso gr\u00f6\u00dfer, als bekannt wurde, dass Moskau seine Verb\u00fcndeten im Warschauer Pakt nicht von einer Verteidigung seiner Ostgrenze im B\u00fcndnis \u00fcberzeugen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher erging aus Budapest von der zust\u00e4ndigen Konferenz des Warschauer Pakts ein Appell nach einer europ\u00e4ischen Friedens- und Sicherheitskonferenz, der \u00e4hnlich 1966 ge\u00e4u\u00dfert worden war, sich jedoch 1969 jeglicher Polemik gegen die Bundesrepublik Deutschland und den Westen enthielt. Umso bedeutsamer war die Sachlichkeit vor dem      Hintergrund, dass man in Moskau \u00f6ffentlich eine Verbindung zwischen den beiden Krisen in Februar und M\u00e4rz 1969 um die Bundespr\u00e4sidentenwahl in Berlin, angeblich von Bonn provoziert, und den von China angeblich provozierten Gefechten in Fernost gezogen hatte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Fragestellung der Magisterarbeit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr dieser Lage untersucht meine Magisterarbeit, welche Bedeutung ausgew\u00e4hlte deutsche Printmedien dem kriegerische H\u00f6hepunkt des chinesisch-sowjetischen Konfliktes f\u00fcr die Entwicklung der Deutschen Ostpolitik zusprachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hierf\u00fcr sollen die in den Printmedien ver\u00f6ffentlichten Meinungen zur Ostpolitik und zum chinesisch-sowjetischen Konflikt erfasst, ausgewertet und einander gegen\u00fcber gestellt werden. Die Ereignisgeschichte des      chinesisch-sowjetischen Konfliktes r\u00fcckt dabei in den Hintergrund, entscheidend ist die Auswertung seiner Rezeption in tagesperiodischen Zeitungen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Untersuchung wird der Zeitraum zwischen den ersten Sch\u00fcssen am Ussuri vom 2. M\u00e4rz 1969 bis in die Tage kurz nach der Debatte des Bundestages um die Deutschland-Politik am 25. April 1969 abgebildet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Methodik: &#8222;Bedeutung&#8220; des Konflikts<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Da die Tagespresse die \u00f6ffentliche Meinung beeinflusste, indem Redakteure die fern\u00f6stliche Eskalation interpretierten und Zusammenh\u00e4nge zur westdeutschen Ostpolitik und der internationalen Politik herstellten,     erlauben die Ergebnisse der Auswertung R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Meinungsbildung bestimmter politischer Lager.  <\/p>\n\n\n\n<p>Denn eine Redaktion, die einer gewissen politischen Ausrichtung nahe steht, l\u00e4\u00dft folgende Einsch\u00e4tzungen zu: einerseits handelt es sich bei der Art ihrer Berichterstattung um Schlussfolgerungen, die in dieser politischen Richtung nahestehenden Gesellschaftsgruppen verbreitet sind, und andererseits \u00fcbt das Printorgan einen Einfluss auf die Meinungsbildung dieses Bev\u00f6lkerungskreises aus. In beiden F\u00e4llen ist eine inhaltliche N\u00e4he      zwischen Berichterstattung einer Zeitung und der Meinungsbildung ihres gesellschaftlichen, politischen Spektrums zuzugestehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Budapester Appell und seine Wirkung sind bislang nur wenig erforscht &#8211; wie er jedoch vor dem Hintergrund einer im Vergleich zu den ersten zwanzig Jahren der Bonner Republik deutlich ge\u00e4nderten politischen Landschaft auf die Zeitgenossen verschiedener politischer Ausrichtungen wirkte, l\u00e4sst sich aus oben genannten Gr\u00fcnden durch die Auswertung verschiedener, t\u00e4glich erscheinender Printmedien ann\u00e4hern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Vorgehensweise<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Methodisch wird auch aus diesem Grund von einer reinen inhaltsanalytischen selektiven Auslese bestimmter Beitr\u00e4ge abgesehen &#8211; \u00fcblich w\u00e4re hier die Beschr\u00e4nkung auf Kommentare und andere wertende Beitr\u00e4ge einzelner Redakteure. Nur eine vollst\u00e4ndige statistische Auswertung aller Beitragsarten erm\u00f6glicht eine Aussage \u00fcber die Bedeutung, die eine gesamte Redaktion einem politischen Thema zuschreibt. Eine Beschr\u00e4nkung erfolgt daher nur dahingehend, dass      allein das erste politische &#8222;Buch&#8220; der Tageszeitungen erfasst wird, da hier die wichtigsten aktuellen Nachrichten und Kommentare durch die Redaktionen positioniert werden. \u00dcber die kommentierenden und wertenden Beitr\u00e4ge wird zus\u00e4tzlich eine inhaltsanalytische Arbeitsweise durchgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\">*<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gefechte am Ussuri Als im Fr\u00fchjahr des Jahres 1969 im Fernen Osten der Sowjetunion Sch\u00fcsse fielen, hielt die Welt den Atem an. Mit den Gefechten erreichten die bereits seit l\u00e4ngerer Zeit bestehenden Spannungen mit dem kommunistischen China eine bis dahin ungeahnte Sch\u00e4rfe. Am fern\u00f6stlichen Fluss Ussuri, wo die Gefechte im M\u00e4rz 1969 zum ersten Mal offziell bekannt wurden, bekriegten sich nicht irgendwelche kommunistischen M\u00e4chte, es handelte sich um die beiden bev\u00f6lkerungsreichsten L\u00e4nder und beide besa\u00dfen ein zwar asymmetrisch verteiltes, aber doch erhebliches atomares Zerst\u00f6rungspotential. Beide Gro\u00dfm\u00e4chte lieferten sich nicht das Jahr hindurch am Fluss Ussuri und an der kasachischen Grenze einen Streit nur um minimale Gebietsanspr\u00fcche, die auf den ersten Blick nichtig erscheinen mussten. Zwischen den Gro\u00dfm\u00e4chten ging es zwar vordergr\u00fcndig um die Zugeh\u00f6rigkeit des kleine Eilands Damanskij bzw. chinesisch Tschen Pao, das inmitten des Flusses Ussuri lag. Hier mischte sich eine Auseinandersetzung um historische Grenzen aus russischem Kolonialerbe mit einem intrakommunistischen Streit um die ideologische Deutungshoheit innerhalb der kommunistischen Bewegung, die sowohl Moskau wie auch Peking f\u00fcr sich beanspruchten. Seit dem Tode Stalins schwelte der ideologische Streit und hatte sich seit den fr\u00fchen Sechziger kontinuierlich versch\u00e4rft. Mao und die kommunistische Ideologie China akzeptierte nach dem Ableben von Josef Stalin 1953 nicht mehr die von der Sowjetunion vorausgesetzte Weltf\u00fchrerschaft von Moskau in der kommunistischen Bewegung. Die chinesischen Kommunisten forderten vielmehr eine gleichberechtigte Beteiligung an allen Entscheidungen. Mit in sich schl\u00fcssiger ideologischer Loyalit\u00e4t zum Marxismus-Leninismus bewerteten sie vor allem die Ann\u00e4herungen zwischen der Sowjetunion und den westlichen M\u00e4chten als Verrat an der kommunistischen Sache &#8211; als Revisionismus und Abkehr von der kommunistischen Revolution. Gerade die Breschnew-Doktrin war den chinesischen \u00dcberlegungen ein Schlag ins Gesicht, behauptete sie doch eine nur begrenzte Souver\u00e4nit\u00e4t sozialistischer Staaten, die sich dem von Moskau verordneten Gesamtinteresse der kommunistischen Bewegung unterzuordnen h\u00e4tte. 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Die FDP formulierte pr\u00e4gend: &#8222;Weg mit den alten Z\u00f6pfen&#8220; und meinte damit vor allem den westdeutschen Alleinvertretungsanspruch f\u00fcr alle Deutschen und die damit einhergehende Hallstein-Doktrin. Neue Freundschaften Mitten in die bundesdeutschen Auseinandersetzungen des Vorwahlkampfes drang die Nachricht von den kriegs\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden zwischen der UdSSR und Rotchina, die beide Parteien in der weltweiten \u00d6ffentlichkeit zu Propaganda nutzten. Viele Kommentatoren r\u00e4tselten besonders um die Frage, was die Sowjetunion bewog, die Differenzen einem breiten und westlichen \u00d6ffentlichkeit sowie in diplomatischen Kreisen offen zu legen. Die Verwirrung wurde umso gr\u00f6\u00dfer, als bekannt wurde, dass Moskau seine Verb\u00fcndeten im Warschauer Pakt nicht von einer Verteidigung seiner Ostgrenze im B\u00fcndnis \u00fcberzeugen konnte. Daher erging aus Budapest von der zust\u00e4ndigen Konferenz des Warschauer Pakts ein Appell nach einer europ\u00e4ischen Friedens- und Sicherheitskonferenz, der \u00e4hnlich 1966 ge\u00e4u\u00dfert worden war, sich jedoch 1969 jeglicher Polemik gegen die Bundesrepublik Deutschland und den Westen enthielt. Umso bedeutsamer war die Sachlichkeit vor dem Hintergrund, dass man in Moskau \u00f6ffentlich eine Verbindung zwischen den beiden Krisen in Februar und M\u00e4rz 1969 um die Bundespr\u00e4sidentenwahl in Berlin, angeblich von Bonn provoziert, und den von China angeblich provozierten Gefechten in Fernost gezogen hatte. Die Fragestellung der Magisterarbeit F\u00fcr dieser Lage untersucht meine Magisterarbeit, welche Bedeutung ausgew\u00e4hlte deutsche Printmedien dem kriegerische H\u00f6hepunkt des chinesisch-sowjetischen Konfliktes f\u00fcr die Entwicklung der Deutschen Ostpolitik zusprachen. Hierf\u00fcr sollen die in den Printmedien ver\u00f6ffentlichten Meinungen zur Ostpolitik und zum chinesisch-sowjetischen Konflikt erfasst, ausgewertet und einander gegen\u00fcber gestellt werden. Die Ereignisgeschichte des chinesisch-sowjetischen Konfliktes r\u00fcckt dabei in den Hintergrund, entscheidend ist die Auswertung seiner Rezeption in tagesperiodischen Zeitungen. F\u00fcr die Untersuchung wird der Zeitraum zwischen den ersten Sch\u00fcssen am Ussuri vom 2. M\u00e4rz 1969 bis in die Tage kurz nach der Debatte des Bundestages um die Deutschland-Politik am 25. April 1969 abgebildet. Methodik: &#8222;Bedeutung&#8220; des Konflikts Da die Tagespresse die \u00f6ffentliche Meinung beeinflusste, indem Redakteure die fern\u00f6stliche Eskalation interpretierten und Zusammenh\u00e4nge zur westdeutschen Ostpolitik und der internationalen Politik herstellten, erlauben die Ergebnisse der Auswertung R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Meinungsbildung bestimmter politischer Lager. Denn eine Redaktion, die einer gewissen politischen Ausrichtung nahe steht, l\u00e4\u00dft folgende Einsch\u00e4tzungen zu: einerseits handelt es sich bei der Art ihrer Berichterstattung um Schlussfolgerungen, die in dieser politischen Richtung nahestehenden Gesellschaftsgruppen verbreitet sind, und andererseits \u00fcbt das Printorgan einen Einfluss auf die Meinungsbildung dieses Bev\u00f6lkerungskreises aus. In beiden F\u00e4llen ist eine inhaltliche N\u00e4he zwischen Berichterstattung einer Zeitung und der Meinungsbildung ihres gesellschaftlichen, politischen Spektrums zuzugestehen. Der Budapester Appell und seine Wirkung sind bislang nur wenig erforscht &#8211; wie er jedoch vor dem Hintergrund einer im Vergleich zu den ersten zwanzig Jahren der Bonner Republik deutlich ge\u00e4nderten politischen Landschaft auf die Zeitgenossen verschiedener politischer Ausrichtungen wirkte, l\u00e4sst sich aus oben genannten Gr\u00fcnden durch die Auswertung verschiedener, t\u00e4glich erscheinender Printmedien ann\u00e4hern. Vorgehensweise Methodisch wird auch aus diesem Grund von einer reinen inhaltsanalytischen selektiven Auslese bestimmter Beitr\u00e4ge abgesehen &#8211; \u00fcblich w\u00e4re hier die Beschr\u00e4nkung auf Kommentare und andere wertende Beitr\u00e4ge einzelner Redakteure. Nur eine vollst\u00e4ndige statistische Auswertung aller Beitragsarten erm\u00f6glicht eine Aussage \u00fcber die Bedeutung, die eine gesamte Redaktion einem politischen Thema zuschreibt. Eine Beschr\u00e4nkung erfolgt daher nur dahingehend, dass allein das erste politische &#8222;Buch&#8220; der Tageszeitungen erfasst wird, da hier die wichtigsten aktuellen Nachrichten und Kommentare durch die Redaktionen positioniert werden. \u00dcber die kommentierenden und wertenden Beitr\u00e4ge wird zus\u00e4tzlich eine inhaltsanalytische Arbeitsweise durchgef\u00fchrt. *<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[46,48,115,119,120,118,58,116,66,114,117],"class_list":["post-178","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-publikation","tag-buch","tag-china","tag-deutsche-ostpolitik","tag-entspannung","tag-kalter-krieg","tag-krieg","tag-magisterarbeit","tag-rezeption","tag-sowjetunion","tag-ussuri","tag-zeitungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/178","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=178"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/178\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":179,"href":"https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/178\/revisions\/179"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=178"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=178"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=178"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}