{"id":1572,"date":"2026-10-29T12:01:00","date_gmt":"2026-10-29T11:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/niconolden.de\/person\/?p=1572"},"modified":"2026-10-30T16:56:49","modified_gmt":"2026-10-30T15:56:49","slug":"different-tracks-am-hannoverschen-bahnhof-beirat-hamburg-kiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/niconolden.de\/person\/2026\/10\/29\/different-tracks-am-hannoverschen-bahnhof-beirat-hamburg-kiel\/","title":{"rendered":"&#8222;Different Tracks&#8220; am Hannoverschen Bahnhof &#8211; Beirat, Hamburg\/Kiel"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Gedenkort &#8222;Hannoverscher Bahnhof&#8220; entsteht ein digitales Spiel, das an die vielen durch Deportation und Gr\u00e4uel vernichteten Existenzen erinnern soll. Ich freue mich sehr, dass mich die Entwickler:innen in den <strong>Beirat<\/strong> f\u00fcr &#8222;Different Tracks&#8220;<strong> <\/strong>gebeten haben. Auf dem ersten Treffen zeigte das Studio <a href=\"https:\/\/otbtgames.com\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Off the Beaten Track<\/a> aus Kiel erste Konzeptideen und Spielmechaniken der Erinnerung. Sehr produktiv und konstruktiv stiegen wir daran in den Beratungsprozess \u00fcber Inhalte, Perspektiven und Spielmechaniken ein. Eine bemerkenswert anregende Runde war das.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Areal eines alten Lagerkomplexes und G\u00fcterbahnhofs liegt mitten in Hamburg. Als Teil der HafenCity zu einem neuen wohnlichen Stadtteil \u00fcberbaut, liegen Reste der Gleisanlagen und Tafeln mit den Namen nun als <a href=\"https:\/\/maps.app.goo.gl\/HAv5dYuACd82xwsHA\">Denkmal im Lohse-Park<\/a>. Etwas unr\u00fchmlich f\u00fcr die Stadt Hamburg, wurden Pl\u00e4ne f\u00fcr einen zentralen <strong>Erinnerungsort <\/strong>zurzeit aufgeschoben. Im Lohse-Park weist aktuell deshalb eine <a href=\"https:\/\/gedenkstaetten-in-hamburg.de\/gedenkstaetten\/zeige\/denkmal-hannoverscher-bahnhof\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">provisorische Ausstellung in einem Container<\/a> auf die Rolle des &#8222;Hannoverschen Bahnhofs&#8220; im v\u00f6lkischen Vernichtungswahn der NS-Terrorherrschaft hin.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/261029-EVZ-NS-Unrecht-1024x576.png\" alt=\"Der Konzeptentwurf zeigt zwei weibliche Personen im Lohsepark vor dem Container des provisorischen Lern- und Erinnerungsort am Hannoverschen Bahnhof.\" class=\"wp-image-1590\" srcset=\"https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/261029-EVZ-NS-Unrecht-1024x576.png 1024w, https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/261029-EVZ-NS-Unrecht-300x169.png 300w, https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/261029-EVZ-NS-Unrecht-768x432.png 768w, https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/261029-EVZ-NS-Unrecht-1140x641.png 1140w, https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/261029-EVZ-NS-Unrecht.png 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gef\u00f6rdert wird das Projekt von der Stiftung Erinnerung Verantwortung und Zukunft (EVZ). (Screenshot Nolden)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer mich kennt, wei\u00df um meine <strong>Skepsis <\/strong>bei Serious Games und Lernspielen f\u00fcr historische Kontexte. Deutlich bekr\u00e4ftigte ich sie in meinem <a href=\"https:\/\/niconolden.de\/person\/2023\/12\/20\/serious-games-und-die-kinder-vom-bullenhuser-damm-beitraege-lag-magazin\/\">Beitrag &#8222;Why so serious?!&#8220; f\u00fcr das Magazin &#8222;Lernen aus der Geschichte&#8220; 12\/2023<\/a>. Zu oft beugen sie sich spielmechanisch den Darstellungsformen und Stilen einer Erinnerungskultur, die ihnen Menschen aufzwingen, die durch Gedenkst\u00e4tten und Ausstellungen sozialisiert sind. Serious Games leiden deshalb h\u00e4ufig darunter, dass narrative Spielmechaniken dominieren und wenig Handeln zulassen, um alternative Blickwinkel zu erm\u00f6glichen. So entstehen h\u00e4ufig weniger Spiele als sehr teure Analogien zu Ausstellungen oder Brosch\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Berechtigt w\u00e4re also die Frage, warum ich \u00fcberhaupt Zeit f\u00fcr einen Beirat zu einem solchen Spiel aufwende. Die <a href=\"https:\/\/www.stiftung-evz.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bundesstiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft (EVZ)<\/a> f\u00f6rdert in der <a href=\"https:\/\/www.stiftung-evz.de\/was-wir-foerdern\/bildungsagenda-ns-unrecht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Linie &#8222;Bildungsagenda NS-Unrecht&#8220;<\/a> die Entwickler:innen direkt und erlaubt ihnen so, sehr <strong>autarke Entscheidungen<\/strong> zu treffen. Die <a href=\"https:\/\/www.gedenkstaetten-hamburg.de\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stiftung Hamburger Gedenkst\u00e4tten und Lernorte<\/a> tritt nicht als Projekttr\u00e4ger auf, sondern ist Kooperationspartner. Diese Kooperation ist zudem ein seltener Vorteil, weil an der <a href=\"https:\/\/www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">KZ-Gedenkst\u00e4tte Neuengamme<\/a> mit &#8222;Die Kinder vom Bullenhuser Damm&#8220; bereits ein kluges Spiel zusammen mit den <a href=\"https:\/\/paintbucket.de\/projekte\/erinnern-die-kinder-vom-bullenhuser-damm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Berliner Entwicklern von Paintbucket Games<\/a> entstand. Gef\u00f6rdert von der <a href=\"https:\/\/www.alfredlandecker.org\/de\/projects\/erinnern-die-kinder-vom-bullenhuser-damm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Alfred Landecker Stiftun<\/a>g behandelte es die <a href=\"https:\/\/bullenhuser-damm.gedenkstaetten-hamburg.de\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">NS-Morde an Kindern in der Schule &#8222;Bullenhuser Damm&#8220;<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht nur fachlicher Sachverstand und grundlegendes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Spiele sind dadurch bereits bei den Partner:innen vorhanden, so wechselt auch der ehemalige Projektleiter Markus Bassermann vom Spiel zum Bullenhuser Damm auf die Seite des Entwicklungsstudios. Durch die direkte F\u00f6rderstruktur und die kreative Hoheit bei OtBT hoffe ich auf ein paar grundlegende innovative <strong>Impulse <\/strong>f\u00fcr die spielbasierte Erinnerungskultur. Deshalb trage ich gern als Mitglied des fachlichen Beirats meinen Anteil dazu bei.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/261029-OtBT-Dev-Log-1024x576.png\" alt=\"Auf der Webseite der Entwickler:innen von Off the Beaten Track stellt ein Devlog erste Konzeptideen und ein paar zeichnerische Entw\u00fcrfe vor.\" class=\"wp-image-1592\" srcset=\"https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/261029-OtBT-Dev-Log-1024x576.png 1024w, https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/261029-OtBT-Dev-Log-300x169.png 300w, https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/261029-OtBT-Dev-Log-768x432.png 768w, https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/261029-OtBT-Dev-Log-1140x641.png 1140w, https:\/\/niconolden.de\/person\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/261029-OtBT-Dev-Log.png 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Im DevLog ihrer Webseite stellen die Entwickler:innen von Off the Beaten Track erste Ideen und Skizzen vor. (Screenshot Nolden)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das liegt auch am Studio &#8222;<a href=\"https:\/\/otbtgames.com\/de\/off-the-record-1-in-motion\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Off the Beaten Track<\/a>&#8220; von Jens Bahr und seinem Team aus Kiel. Als sehr umtriebiger Entwickler und Vorstand des Branchenverbands <a href=\"https:\/\/www.ifgamesh.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">if(game)SH<\/a> trug er 2021 zum <a href=\"https:\/\/niconolden.de\/person\/2021\/11\/04\/gamejam-hanse-projekt-ehm-luebeck\/\">Hanse Gamejam bei, den ich mit dem Europ\u00e4ischen Hansemuseum L\u00fcbeck<\/a> organisierte. In den vergangenen Jahren an der Sozialbeh\u00f6rde Hamburgs verwies ich h\u00e4ufiger auf ihr &#8222;Fallbeispiel Thomas&#8220;. Die interaktive Lernhilfe diente mir als Beispiel f\u00fcr den klugen Einsatz von Spielen in der sozialen Arbeit. Das <strong>Kieler Studio OtBT<\/strong> entwarf es f\u00fcr Studierende, die famili\u00e4re Gewalt und Kindeswohl einzusch\u00e4tzen lernen. Sein Spielprinzip erinnerte an das bedr\u00fcckende <a href=\"https:\/\/lebensborn.mychildgame.com\/\">&#8222;My Child Lebensborn&#8220;<\/a> \u00fcber das Schicksal von Kindern aus dem gleichnamigen NS-Zuchtprogramm. In diesem Team steckt also ohnehin schon viel kreative Energie. F\u00fcgt man nun noch Markus Bassermann als Entwickler und Historiker hinzu, der als Projektleiter der Landecker-Stiftung f\u00fcr &#8222;Die Kinder vom Bullenhuser Damm&#8220; verantwortlich war, mischt sich ein ungew\u00f6hnlich erfolgversprechender Cocktail an. Markus pr\u00e4gte aus \u00e4hnlicher Kritik an Serious Games wie ich den Begriff &#8222;remembrance game&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Beirat traf ich auf viele pers\u00f6nlich bekannte, engagierte Kolleg:innen zwischen Games, Geschichte und Erinnerungskultur. Die Runde brachte viel konstruktives Feedback und Anregungen zu den Entw\u00fcrfen und f\u00fcr den Entwicklungsprozess vor. Das personelle <strong>Tableau <\/strong>scheint mir sehr gut ausgew\u00e4hlt. Man gewinnt den Eindruck, hier verstehen nicht nur alle die Geschichte des NS-Unrechts und seiner Opfer, sondern eben auch Mechanismen der Erinnerungskultur und hilfreiche Spielmechaniken und Perspektiven. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Davon d\u00fcrfte das entstehende Projekt in den n\u00e4chsten zwei Jahren sehr profitieren. Und das muss es ja auch. Es ist die Kehrseite der F\u00f6rderstruktur, dass &#8222;Different Tracks&#8220; direkt \u00fcber Games-Plattformen als <strong>Unterhaltungsspiel <\/strong>wird bestehen m\u00fcssen. Es er\u00f6ffnet aber auch M\u00f6glichkeiten, von den ausgetrampelten Pfaden der Gewohnheiten in der Gedenkst\u00e4ttenlandschaft abzuweichen &#8211; wie es der Studioname als Anspruch formuliert. Zudem wird zumindest eine ausgew\u00e4hlte Episode in irgendeiner Form vor Ort im Rahmen der Gedenkst\u00e4tte &#8222;Hannoverscher Bahnhof&#8220; genutzt und dort angeboten. Toll, dass ich im Beirat dazu beitragen darf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">*<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr den Gedenkort &#8222;Hannoverscher Bahnhof&#8220; entsteht ein digitales Spiel, das an die vielen durch Deportation und Gr\u00e4uel vernichteten Existenzen erinnern soll. Ich freue mich sehr, dass mich die Entwickler:innen in den Beirat f\u00fcr &#8222;Different Tracks&#8220; gebeten haben. Auf dem ersten Treffen zeigte das Studio Off the Beaten Track aus Kiel erste Konzeptideen und Spielmechaniken der Erinnerung. Sehr produktiv und konstruktiv stiegen wir daran in den Beratungsprozess \u00fcber Inhalte, Perspektiven und Spielmechaniken ein. 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